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Ein Blog von Stefan Schwarz

Flower

Honecker ist immer noch eine große Leuchte

Wort der Woche

Nietzsche war lange nicht so einsam, wie er sich vorkam.

Franz Overbeck

Im schrillen Glücksgeschrei der Zalando-Shopper ist leider untergegangen, dass die gelungenste Werbekampagne dieses Jahres nicht auf sexy Models sondern einen sturen Greis setzte. Die Sammelbox für alte Energiesparlampen der Initiative der Lampenhersteller wirbt für die sachgerechte Entsorgung der nicht nur sauteuren, sondern auch leider hochgiftigen Leuchtmittel. Sie wirbt mit einem Lampengesicht, das eine Kastenbrille und ein graues Kordhütchen trägt. Wer darin nicht den einstigen Staatsratsvorsitzenden der “D’tschen D’mokr’tischen R’publik” ( Originalton Erich Honecker ) erkennt, sollte sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben, weil jede Minute zählt.

Honecker als Testimonial für die Energiewende – das mag auf den ersten Blick verstören, es folgt aber einen zwingenden Logik. Die geniale Innovation dieser Werbekampagne besteht eben darin, dass sie die ostentative Repressivität und mangelnde Legitimation des EU-Glühlampenverbots in ihrem emotionalen Gehalt aufnimmt und weiterführt. Das Honecker-Lampen-Männchen macht die Sache rund, es lässt den bürokratische Charme der Energiesparlampen-Zwangseinführung auch am Ende der Lebensdauer noch einmal richtig aufleuchten. Wie eine sozialistische Wahlurne erwartet die Sammelbox nicht etwa die freiwillige Abgabe, sondern ein strammes Hundert-Prozent-Ergebnis. Hier ist Recycling endlich einmal nicht “cool” oder “was mit Freunden”, sondern volle Pulle Politbüro. Das muss man erst mal drauf haben. “Chapeau!”, wie wir Werbeschnösel sagen.

Der Einmannmotorventilationsentsorgungsfachwirt

Wort der Woche

I was too fucking busy- or vice versa.

Dorothy Parker

Jetzt sieht man sie wieder überall auf den Strassen. Männer, die von ihren Kollegen aufgezogen werden. Und das auch noch von hinten. Keine deutsche Stadt, in der in dieser Zeit nicht ein Ruck durch die Ein-Euro-Jobber geht. Und zwar der Ruck am Anlasser eines motorbetriebenen Laubblasinstruments. weiterlesen …;

Ohne Abschluss zum Abschuss

Wort der Woche

Ich bin entführt worden.

Harald Glööckler

Die Bundeswehrreform schreitet voran. Zwei Reformschritte möchte ich heute besprechen. Da ist zum einen die Einführung eines offiziellen Bundeswehr-Lippenbalsams zu nennen, mit dem das wichtige Problem spröder, rissiger Lippen in den ariden Kampfgebieten des Hindukusch entschlossen angegangen und endlich dafür gesorgt wurde, dass deutsche Soldaten im Auslandseinsatz in Bälde wenn schon nicht die schlagkräftigste so doch die gepflegteste Truppe aller Internationalen Friedensmissionen abgeben dürften, gemäss dem Slogan „Haut glätten – Leben retten“. Das kann allerdings nur der Anfang sein: Die ganze Bundeswehrkosmetik muss auf den Prüfstand. weiterlesen …;

Ein Haus für Husni

Wort der Woche

Der Wald ist kein Ort für Gender-Diskussionen.

Sabine Riedel

Mittlerweile ist ja wohl allen klar: So kann es in Ägypten nicht weitergehen! Da der amerikanische Präsident nicht aus dem Pott kommt, sehe ich mich leider gezwungen, die Initiative zu ergreifen.  Also: Ich würde Husni Mubarak aufnehmen. Wir haben eine ausziehbare Couch im Wohnzimmer. Da kann er schlafen. Wecken ist um 6 Uhr 30. Für alle! Im Gästeklo hängt der Spiegel ein bisschen tief. Aber wenn man beim Rasieren etwas in die Knie geht, weiterlesen …;

Selbstmordattentäter – spreng dich ein bisschen später …

Wort der Woche

Die Menschen sind nicht so interessant, wie sie immer denken.

Michael Krüger

Das Nervige an terroristischen Anschlägen (ich verweise aus gegebenem Anlaß auf meine Zäpfchenbomberkritik weiter unten) ist die Actionlastigkeit. Grundsätzlich sind Sprengungen oder das Herumballern mit Projektilwaffen, sogar im Reichstag (in dem nun wahrlich schon genug herum geballert wurde) belästigend pubertär. Bei der Anschlagsplanung stehen nicht irgendwelche Zweck/Mittel-Relationen im Vordergrund, sondern die Hauptsache ist, es spritzt ordentlich. Das Anliegen, wenn es denn überhaupt über die Hoffnung auf einen „geilen Abgang“ hinausgeht, ist Erschütterung auszulösen, womöglich sogar Schrecken zu verbreiten.Dafür ist Deutschland nun aber ein denkbar ungeeigneter Ort. weiterlesen …;

Pitti kam aus Afrika

Wort der Woche

Seit ich älter werde, brauche ich keine Drogen mehr. Den gleichen Effekt erziele ich, wenn ich sehr schnell aufstehe.

Jonathan Katz

Ich setze an dieser Stelle meine Soziologie des DDR-Abendgrußes fort, die ich Ende letzten Jahres begonnen habe. Kurz gesagt geht es mir um den Nachweis, dass die Charaktere des DDR-Kinderfernsehens Problemlagen und Gruppenkonflikte des Ostens zwar im Puppenformat aber ansonsten völlig unverhüllt darstellten. Genauer gesagt: Was da jeden Abend über den Bildschirm flimmerte, war ein realistischer Spiegel der Gesellschaft, gegen die jede Prenzlberger Untergrund-Lesung wie eine Grußadresse ans Politbüro wirken musste.  Dass die Oberen dessen nie gewahr wurden, kann man nur dem professionellen Tunnelblick der Parteizensoren zuschreiben, der – wie der Betrunkene seinen Schlüssel unter der Laterne – seine Feinde immer nur dort suchte, wo er sie üblicherweise zu finden hofft. Was also verkörperten die Figuren des DDR-Abendgrußes? weiterlesen …;

Frühling lässt sein Absperrband wieder flattern…

Wort der Woche

Die Gewissheit, dass es kein Heil gibt, ist eine Form des Heils.

E. M. Cioran, Unsystematischer Rumäne

Leute! Aus gegebenem Anlass noch mal ein Tipp von meiner Omi. Beim Fensterputzen ein bisschen aufpassen. Nicht so stark aufdrücken!

Vielleicht mit Gips verspachteln? Dann überstreichen?

Vielleicht mit Gips verspachteln? Dann überstreichen?

Die Eichhörnchen…sagen wir mal…strategie

Wort der Woche

Um nicht zu trinken, braucht man nicht zusammenkommen.

Leo Tolstoi

Was wir von Eichhörnchen lernen können, scheint eine lächerliche Frage angesichts eines vom Homo sapiens komplett angeeigneten und beherrschten Planeten. Vermutlich sollten sich eher die Eichhörnchen fragen, was sie von uns lernen können und die Puschelohren spitzen, wenn das Chef-Säugetier was erklärt. Doch selbst, wenn sie dies täten, würde ihnen die Antwort wenig nützen. Eichhörnchen sind nämlich sehr vergesslich. Und das ist gut so. Der Tatsache, dass Eichhörnchen wie besessen Eichel- und andere Nußvorräte im Waldboden anlegen, verdanken wir ein vorzügliche Samenverbreitung mithin Jungholzauftrieb im deutschen Wald. Denn Eichhörnchen vermögen sich nach anderthalb Meter Weghoppeln partout nicht mehr daran zu erinnern , was sie hier eigentlich wollten und ob es eine gute Idee war, den Vorrat mit braunen Blätter zu markieren. Das Phänomen System-funktioneller Vergesslichkeit ist wenig erforscht und auch ich werde es hier nicht tun. Was ich nur sagen will, ist, dass das Neue nur wachsen kann, wenn alle irgendwie nicht mehr richtig durchsehen und jetzt gerade nicht draufkommen. In einer Welt der Quizshows und Wissenprotzerei kein kleiner Gedanke.

Hüftkreisen mit Nancy

Worte der Woche

Du hast deinen Junggesellenabschied in einer Konditorei gefeiert, nicht wahr?

Nancy

Ich würde so was nie tun … oder zumindest was unterlegen.

Max

Ich komme dann doch nicht umhin, der Weltöffentlichkeit mitzuteilen, dass ich einen Roman geschrieben habe. Er heisst “Hüftkreisen mit Nancy” und ist seit Freitag, dem 12. März 2010,  erhältlich. In diesem Roman werden einige wichtige Fragen behandelt, die Männer in ihrer Lebensmitte umtreiben. Als da wären: Ist die Aussicht auf eine neue “Unsere Frühstücksmarmelade des Jahres” ein Grund, weiter zu leben? Kann das Artikulieren sexueller Phantasien im Großraumbüro dazu führen, dass eindeutig nicht gemeinte Kollegen sich nie wieder auf ihre Arbeit konzentrieren können? Ist es schlimm, wenn ich im Fitness-Studio zufällig aus dem Proteinshake eines anderen, sehr viel größeren und gewaltbereiten Mannes getrunken habe? Kann man seiner Frau widerstehen, wenn sie nur im Pyjama-Oberteil an ihren Locken herum zwirbelt? Wie muss sich ein Kampfhund verhalten, wenn ich ihm auf die Pfote getreten bin?

Titelbild Hüftkreisen mit Nancy

Das Buch ist eine Ode an die sträflich unterschätzten Mädchen mit Y-Namen und eine Verbeugung vor der Kunst der Burlesque, von der ich glaube, dass sie geeignet ist,  Anerkennungsdefizite von Seiten langzeitgestresster Ehefrauen zu überbrücken, bis die Gefahr vorbei ist. Lassen Sie sich von der betörend leichten Lesbarkeit und bewusst strandlektürenhaften Ausstrahlung ermutigen, in ein Thema einzusteigen, dass Männer normalerweise mit sich allein im Hobbykeller besprechen. (Hier ein kleiner Film zum Einfühlen)

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Aus der Bahn geworfen

Wort der Woche

Noch nie ist jemand pleite gegangen, der die Intelligenz des Volkes unterschätzt hat.

P.T.Barnum, Zirkusdirektor

Eigentlich bin ich gegen Missstände relativ unempfindlich. Ostdeutscher Langmut umweht meine Seele, wenn ich auf den Anzeigetafeln der Deutschen Bahn die roten Ziffern der Verspätungsminuten erspähe. Sozialisiert im systematischen Chaos und den chronischen Versorgungsengpässen einer Planwirtschaft beruhige ich mich immer mit dem Gedanken, dass das ja mal vorkommen kann. Der Gedanke ist völlig aberwitzig, weil Verspätungen und komplette Zugausfälle bei der Deutschen Bahn mittlerweile ein Ausmaß angenommen haben, das den DB-Fahrplan wie die Phantasie eines psychotischen Pedanten aussehen lässt. Abfahrts- und Ankunftsaushänge sind mittlerweile derart unverbindlich, dass sie den Tatbestand weiterlesen …;

Schwarzbücher

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