Ein Blog von Stefan Schwarz

Der Einmannmotorventilations-Entsorgungsfachwirt

Wort der Woche

I was too fucking busy- or vice versa.

Dorothy Parker

Jetzt sieht man sie wieder überall auf den Strassen. Männer, die von ihren Kollegen aufgezogen werden. Und das auch noch von hinten. Keine deutsche Stadt, in der in dieser Zeit nicht ein Ruck durch die Ein-Euro-Jobber geht. Und zwar der Ruck am Anlasser eines motorbetriebenen Laubblasinstruments. Lies „Der Einmannmotorventilations-Entsorgungsfachwirt“ weiter

Ohne Abschluss zum Abschuss

Wort der Woche

Ich bin entführt worden.

Harald Glööckler

Die Bundeswehrreform schreitet voran. Zwei Reformschritte möchte ich heute besprechen. Da ist zum einen die Einführung eines offiziellen Bundeswehr-Lippenbalsams zu nennen, mit dem das wichtige Problem spröder, rissiger Lippen in den ariden Kampfgebieten des Hindukusch entschlossen angegangen und endlich dafür gesorgt wurde, dass deutsche Soldaten im Auslandseinsatz in Bälde wenn schon nicht die schlagkräftigste so doch die gepflegteste Truppe aller Internationalen Friedensmissionen abgeben dürften, gemäss dem Slogan „Haut glätten – Leben retten“. Das kann allerdings nur der Anfang sein: Die ganze Bundeswehrkosmetik muss auf den Prüfstand. Lies „Ohne Abschluss zum Abschuss“ weiter

Pitti kam aus Afrika

Wort der Woche

Seit ich älter werde, brauche ich keine Drogen mehr. Den gleichen Effekt erziele ich, wenn ich sehr schnell aufstehe.

Jonathan Katz

Ich setze an dieser Stelle meine Soziologie des DDR-Abendgrußes fort, die ich Ende letzten Jahres begonnen habe. Kurz gesagt geht es mir um den Nachweis, dass die Charaktere des DDR-Kinderfernsehens Problemlagen und Gruppenkonflikte des Ostens zwar im Puppenformat aber ansonsten völlig unverhüllt darstellten. Genauer gesagt: Was da jeden Abend über den Bildschirm flimmerte, war ein realistischer Spiegel der Gesellschaft, gegen die jede Prenzlberger Untergrund-Lesung wie eine Grußadresse ans Politbüro wirken musste.  Dass die Oberen dessen nie gewahr wurden, kann man nur dem professionellen Tunnelblick der Parteizensoren zuschreiben, der – wie der Betrunkene seinen Schlüssel unter der Laterne – seine Feinde immer nur dort suchte, wo er sie üblicherweise zu finden hofft. Was also verkörperten die Figuren des DDR-Abendgrußes? Lies „Pitti kam aus Afrika“ weiter

Sandmann statt Biermann – DDR-Kinderfernsehen revisited

Wort der Woche

Sag mersch nur, Bübele, wenn dr was fehlt! I wer dr dann zeige, wieste ohne des auskommsch!

Professor Dr. Wolfgang Stolls Tante Clara aus Biberach an der Riss

Der Abendgruß des DDR-Fernsehens ist eine der wenigen kulturellen Hervorbringungen des Arbeiter- und Bauernstaates, die mit viel Liebe ins gesamtdeutsche Inventar übernommen wurden. Das ist angesichts der bekanntermaßen kritischen Evaluation alles Ostdeutschen rätselhaft und erklärungsbedürftig. Der beliebte Puppen-Reigen um Pittiplatsch und Schnatterinchen, Herr Fuchs und Frau Elster, die ganze Märchenwald-Personage ist trotz einer Unzahl verdienstvoller Fan-Seiten gnadenlos unter-interpretiert und ich werde dem hiermit abhelfen. (Die nachfolgende Interpretation ist gültig, weitere Erörterungen erübrigen sich.) Lies „Sandmann statt Biermann – DDR-Kinderfernsehen revisited“ weiter

Irrwege des Terrorismus: Der Zäpfchenbomber

Wort der Woche

Ich habe Gott darum gebeten, das ich sehr hohe Sonnenblumen bekomme.

Hans-Peter Schiffer, Flugbegleiter

Obschon ich mich wirklich nicht dauerhaft in den Niederungen des Leibes aufhalten wollte, zwingt mich die Weltlage , mein Augenmerk erneut der Kehrseite zuzuwenden. Der Zäpfchenbomber hat sich den Ausdrucksformen des internationalen Terrorismus hinzugesellt. Der Zäpfchenbomber bewahrt seine tödliche Ladung im Rektum auf und kann so unentdeckt von Hund und Gerät den Sprengstoff direkt vor den Feind tragen, wo er per Mobilfunk oder Hand gezündet wird. Es ist die Arschbombe schlechthin, und einer der wenigen umgekehrten Fälle, wo eine eigentlich nur zur Veranschaulichung gedachte Wortfügung einem faktischen Apparat als Vorbild diente. Wer diese „innovative“ Idee hatte und welche Vorerfahrungen er mitbrachte, ist unbekannt. Lies „Irrwege des Terrorismus: Der Zäpfchenbomber“ weiter

Alarm in der Reithose

Wort der Woche

Sie haben den ersten Menschen ins All geschickt, aber sie waren nicht in der Lage, Garrincha zu decken.

Sportreporter Luis Mendes über die Niederlage der Sowjetunion gegen Brasilien bei der Fußball-WM

Über Hitlers Größenwahn ist viel geschrieben worden. Wenig bekannt ist jedoch die Tatsache, dass die Aufgeblasenheit des Führers eine sehr reale physische Grundlage hatte. Wie ich gerade Anton Neumayrs „Diktatoren im Spiegel der Medizin“ entnehme, litt Hitler nach seinem Wechsel zur vegetarischen Ernährung im Jahre 1931unter erheblichen Flatulenzen, die er auch mit „Dr. Köster’s Antigas-Pillen“ nicht in den Griff bekam. Diese von ihm und seiner Umgebung als „Darmkoliken“ euphemisierten Gasansammlungen prägten Adolfs Hitlers Verhalten in einem Maße, dass es angezeigt scheint, die Geschichte noch einmal unter den Blickwinkel der Blähungsproblematik zu betrachten. Lies „Alarm in der Reithose“ weiter

Rentenpolice-Academy 2: Gardinenhängmen also die!

Wort der Woche

Bei den meisten Spezies wird überschüssige Energie in Fett umgesetzt, nicht in Kreativität.

Geoffrey F. Miller, Evolutionspsychologe

Es gibt insgesamt wenig Rechtfertigungen für ein langes Leben, es sei denn man hat eine Arbeit angefangen und muss mit ihr fertig werden wie der Shakespeare-Übersetzer Rudolf Schaller aus Schwerin (eingehend gewürdigt durch Friederike von Schwerin, die heisst echt so, ist kein Fehler in der Matrix!), dem die Idee, Shakespeare in modernes und angemessen saftiges Deutsch zu übersetzen, leider erst mit Mitte Sechzig kam und der deswegen verzeihlicherweise über Neunzig werden musste.

Normalerweise aber -das hat Klaus Theweleit an irgendeiner Stelle im „Buch der Könige“ gut herausgestellt – hat das Bemühen um ein langes Leben einen nicht sehr netten Wettbewerbscharakter und deutet darauf hin, dass man bloß scharf drauf ist, an den Gräbern der anderen vorbeizutattern. Es ist eine bloß ins Biografische übertragene Form des „Ich kann länger als Du!“

Aber wie kann man erkennen, dass jemand sich einer nur unterdurchschnittlichen Lebendauer erfreuen wird und deswegen von den Assekuranzkassen besser behandelt werden sollte die als ganzen „Wer hat denn diese eklige Hühnerkralle hier auf den Nachtisch gelegt? Ach, das ist ja ihr liebes Händchen, Oma Backe!“- Untoten und Erbscheinverweigerer in den Pflegebatterien. Lies „Rentenpolice-Academy 2: Gardinenhängmen also die!“ weiter

Rentenpolice-Academy: Kürzer als erwartet

Wort der Woche

Als religiöse Übung ist nichts dem öffentlichen Dienst überlegen

Suzuki Shozan, Zen-Buddhist

Der liechtensteinische (oder sagt man liechtensteinige?) Versicherer Quantum bietet allen Menschen mit kürzerer Lebenserwartung höhere Monatsauszahlungen auf ihre Rentenversicherung an. Mehr Geld für weniger Leben. Ist das die lang erhoffte Trendumkehr? Wir alle wissen, dass die Versorgungssysteme der modernen Gesellschaften durch die ständig steigende Lebenserwartung krachen gehen. Obschon Lebenserwartung eigentlich ein unzulässig verkürzter Begriff ist, denn was hier ständig steigt, ist die fiebrig-fingertrommelnde Erwartung eines langen Lebens. Lebenserwartung im genauen Wortsinne ist ja ein eher depressiv stimmender Topos, eine güldene Monstranz von echt kapitalistischen Durchbruchsfantasien und endgültiger Anerkennung durch die ganze Welt und Mutti, dem ein Trauerzug von ausgebüxten Klavierstunden, uangesprochenen Disco-Granaten, ungeorderten Aktienkäufen und nicht betretenden Motorradshops folgt. Wie auch immer, diese ständig steigende Lebenserwartung muss ein Ende haben. Die Faszination des langen Lebens muss Lies „Rentenpolice-Academy: Kürzer als erwartet“ weiter

Er isst nicht wie Du – und trinkt auch anders

Wort der Woche

Dass auch Frauen abartige Bedürfnisse haben könnten, das ist unvorstellbar, nicht wahr?

Camille Paglia

Ich muss ein neues Buch schreiben, aber da ich gerade irgendwie hänge, kann ein bisschen kritische Marianne-Rosenberg-Forschung nicht schaden, um mir die Grillen zu vertreiben.

Wer immer schon mal erfahren wollte, wie Frauen so ticken, ist mit dem Marianne-Rosenberg-Lied „Er ist nicht wie Du“ bestens bedient. Der Song ersetzt eine ganze Bibliothek neunmalschlauer Mann-und-Frau-nix-verstehen-Bücher, auch wenn er für meinen Geschmack etwas zu schonungslos desillusioniert. So genau will man es ja nun auch wieder nicht wissen, was im Gefühlskeller der Frauen so alles herumfault. Wer aber in Beziehungsfragen schon eine gewisse Grundhärte erreicht hat, wird es freilich als ein bleibendes Verdienst der Rosenberg ansehen, dass das mal in aller Deutlichkeit gekräht zu haben! Marianne Rosenberg verrät hier sozusagen in jugendlichem Übermut ihr eigenes Geschlecht. Worum geht es? „Er ist nicht wie Du“ ist eine als Liebeskummer verpackte Anti-Liebeskummer-Schocktherapie. Alle Liebesmüh ist vergebens. Die Kernaussage für das Werben um die Damengunst ist: Wenn Du es nicht bist, dann bist Du es nicht und kannst es auch nicht werden, auch wenn Du Dich schönfönst und wundflirtest. Und wenn Du es bist, dann bist es, auch wenn Du ein „Bier formte diesen Körper“-T-Shirt trägst.

Schauen wir uns mal den inkriminierten Text an: Lies „Er isst nicht wie Du – und trinkt auch anders“ weiter

Alter Mann ist kein D-Zug

Wort der Woche

Ich habe in meinem Leben nichts geleistet.

Paavo Nurmi, 9-facher Olympiasieger, 24-facher Weltrekordler

Mein Zug fährt gleich, aber der Opa vor mir hat immer noch nicht verstanden. Deshalb erklärt es die liebe Schaltertante von der Deutschen Bahn noch einmal. Es ist übrigens das fünfte Mal. Es ist übrigens umsonst. Was die liebe Schaltertante nicht weiss: Um die Verbindungstarifzonenwechselmagie zwischen Westsachsen und Nordthüringen zu verstehen, darf man nicht älter als 55 Jahre sein. Danach sind die Netzplan-Synapsen erodiert und man hört nur noch weisses Rauschen. Ähnlich wie das Hören hoher oder auch nur leiser Töne mit dem Alter abnimmt, sinkt auch die wichtige Fähigkeit, den gottverdammten Betrieb nicht weiteraufzuhalten, damit auch andere Menschen noch ihr Leben in der zur Verfügung stehenden Zeit absolvieren können.

Lies „Alter Mann ist kein D-Zug“ weiter