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Ein Blog von Stefan Schwarz

Flower

Sandmann statt Biermann – DDR-Kinderfernsehen revisited

Wort der Woche

Sag mersch nur, Bübele, wenn dr was fehlt! I wer dr dann zeige, wieste ohne des auskommsch!

Professor Dr. Wolfgang Stolls Tante Clara aus Biberach an der Riss

Der Abendgruß des DDR-Fernsehens ist eine der wenigen kulturellen Hervorbringungen des Arbeiter- und Bauernstaates, die mit viel Liebe ins gesamtdeutsche Inventar übernommen wurden. Das ist angesichts der bekanntermaßen kritischen Evaluation alles Ostdeutschen rätselhaft und erklärungsbedürftig. Der beliebte Puppen-Reigen um Pittiplatsch und Schnatterinchen, Herr Fuchs und Frau Elster, die ganze Märchenwald-Personage ist trotz einer Unzahl verdienstvoller Fan-Seiten gnadenlos unter-interpretiert und ich werde dem hiermit abhelfen. (Die nachfolgende Interpretation ist gültig, weitere Erörterungen erübrigen sich.) weiterlesen …;

Krieg den Schuhen – Frieden den Zehen

Wort der Woche

Der Platz ist in der Krise.

Alexandre Chemetoff

Auch nach den letzten Gewaltakten im ÖPV gibt es immer noch widersprüchliche Verhaltensempfehlungen. Einerseits wird der S-Bahn-Fahrer dazu aufgefordert, Zivilcourage zu zeigen, andererseits rät die Polizei dringend, nicht den Helden zu spielen. Wie das im Einzelnen aussehen soll, weiß niemand. Soll man rauchverbotsmissachtende Jungtrinker im Waggon nicht mehr ansprechen, sondern nur heimlich einen Zettel rumgehen lassen, auf dem die Tat missbilligt wird? Soll man die Abteilraucher um Feuer bitten, um damit seine Friedenskerze anzuzünden? Soll man nur aufstehen gegen Gewalt, aber sich dann gleich wieder hinsetzen? weiterlesen …;

Irrwege des Terrorismus: Der Zäpfchenbomber

Wort der Woche

Ich habe Gott darum gebeten, das ich sehr hohe Sonnenblumen bekomme.

Hans-Peter Schiffer, Flugbegleiter

Obschon ich mich wirklich nicht dauerhaft in den Niederungen des Leibes aufhalten wollte, zwingt mich die Weltlage , mein Augenmerk erneut der Kehrseite zuzuwenden. Der Zäpfchenbomber hat sich den Ausdrucksformen des internationalen Terrorismus hinzugesellt. Der Zäpfchenbomber bewahrt seine tödliche Ladung im Rektum auf und kann so unentdeckt von Hund und Gerät den Sprengstoff direkt vor den Feind tragen, wo er per Mobilfunk oder Hand gezündet wird. Es ist die Arschbombe schlechthin, und einer der wenigen umgekehrten Fälle, wo eine eigentlich nur zur Veranschaulichung gedachte Wortfügung einem faktischen Apparat als Vorbild diente. Wer diese „innovative“ Idee hatte und welche Vorerfahrungen er mitbrachte, ist unbekannt. weiterlesen …;

Alarm in der Reithose

Wort der Woche

Sie haben den ersten Menschen ins All geschickt, aber sie waren nicht in der Lage, Garrincha zu decken.

Sportreporter Luis Mendes über die Niederlage der Sowjetunion gegen Brasilien bei der Fußball-WM

Über Hitlers Größenwahn ist viel geschrieben worden. Wenig bekannt ist jedoch die Tatsache, dass die Aufgeblasenheit des Führers eine sehr reale physische Grundlage hatte. Wie ich gerade Anton Neumayrs „Diktatoren im Spiegel der Medizin“ entnehme, litt Hitler nach seinem Wechsel zur vegetarischen Ernährung im Jahre 1931unter erheblichen Flatulenzen, die er auch mit „Dr. Köster’s Antigas-Pillen“ nicht in den Griff bekam. Diese von ihm und seiner Umgebung als „Darmkoliken“ euphemisierten Gasansammlungen prägten Adolfs Hitlers Verhalten in einem Maße, dass es angezeigt scheint, die Geschichte noch einmal unter den Blickwinkel der Blähungsproblematik zu betrachten. weiterlesen …;

Plakativitätstheorie und Unschärferelationen

Wort der Woche

Wir machen richtig die herbe Anschlag.

Aus dem Abhörprotokoll der Sauerland-Gruppe

Dass gähnende Inhaltsleere dieses Bundestagswahlkampfs auch auf die Wahlwerbung übergreifen würde, stand zu befürchten. Niemand konnte jedoch ahnen, was wirklich herauskommen würden, wenn Inhaltsleere auf formales Unvermögen trifft. Unvermögen, Dilettantentum, ist seit jeher das untrügliche Zeichen jeder Wahlwerbung. Auch Ungeübte und branchenfremde Personen können Wahlwerbung und kommerzielle Werbung mit einem einfachen Test auseinanderhalten. Wenn die Werbung wirkt, ist es mit Sicherheit keine Wahlwerbung. Eigentlich unterscheiden sich die politischen Parteien auf ihren Wahlplakaten nur durch verschiedene Formen der Unwirksamkeit, die von „belästigend unwirksam“ bis „was, ich stehe vor einem Plakat?“ reichen. Das liegt daran, dass, anders als in der freien Wirtschaft, in der Politik die bloße Absicht, zu überzeugen, als ausreichende Qualifikation angesehen wird.

Wahlwerberisches Dilettantum ist in gewisser Weise funktionell, weil es mit der späteren Amtsführung in klarem Zusammenhang steht. Anders gesagt: Wahlwerbung versieht das Kompetenzversprechen der Politiker gestalterisch und werbepsychologisch mit Anführungszeichen und niemand kann sich nach der Wahl beschweren, weil er seit den Plakaten wusste, was für Flitzpiepen da im Rennen sind. Aber wenn, wie heuer, überhaupt keine Botschaften mehr zu verkünden sind, tobt sich bei den Wahlfotoamateuren der politischen Parteien natürlich das Unbewusste aus, wie ich im Folgenden anhand einiger Plakate analysiere. weiterlesen …;

Rentenpolice-Academy 2: Gardinenhängmen also die!

Wort der Woche

Bei den meisten Spezies wird überschüssige Energie in Fett umgesetzt, nicht in Kreativität.

Geoffrey F. Miller, Evolutionspsychologe

Es gibt insgesamt wenig Rechtfertigungen für ein langes Leben, es sei denn man hat eine Arbeit angefangen und muss mit ihr fertig werden wie der Shakespeare-Übersetzer Rudolf Schaller aus Schwerin (eingehend gewürdigt durch Friederike von Schwerin, die heisst echt so, ist kein Fehler in der Matrix!), dem die Idee, Shakespeare in modernes und angemessen saftiges Deutsch zu übersetzen, leider erst mit Mitte Sechzig kam und der deswegen verzeihlicherweise über Neunzig werden musste.

Normalerweise aber -das hat Klaus Theweleit an irgendeiner Stelle im „Buch der Könige“ gut herausgestellt – hat das Bemühen um ein langes Leben einen nicht sehr netten Wettbewerbscharakter und deutet darauf hin, dass man bloß scharf drauf ist, an den Gräbern der anderen vorbeizutattern. Es ist eine bloß ins Biografische übertragene Form des „Ich kann länger als Du!“

Aber wie kann man erkennen, dass jemand sich einer nur unterdurchschnittlichen Lebendauer erfreuen wird und deswegen von den Assekuranzkassen besser behandelt werden sollte die als ganzen „Wer hat denn diese eklige Hühnerkralle hier auf den Nachtisch gelegt? Ach, das ist ja ihr liebes Händchen, Oma Backe!“- Untoten und Erbscheinverweigerer in den Pflegebatterien. weiterlesen …;

Rentenpolice-Academy: Kürzer als erwartet

Wort der Woche

Als religiöse Übung ist nichts dem öffentlichen Dienst überlegen

Suzuki Shozan, Zen-Buddhist

Der liechtensteinische (oder sagt man liechtensteinige?) Versicherer Quantum bietet allen Menschen mit kürzerer Lebenserwartung höhere Monatsauszahlungen auf ihre Rentenversicherung an. Mehr Geld für weniger Leben. Ist das die lang erhoffte Trendumkehr? Wir alle wissen, dass die Versorgungssysteme der modernen Gesellschaften durch die ständig steigende Lebenserwartung krachen gehen. Obschon Lebenserwartung eigentlich ein unzulässig verkürzter Begriff ist, denn was hier ständig steigt, ist die fiebrig-fingertrommelnde Erwartung eines langen Lebens. Lebenserwartung im genauen Wortsinne ist ja ein eher depressiv stimmender Topos, eine güldene Monstranz von echt kapitalistischen Durchbruchsfantasien und endgültiger Anerkennung durch die ganze Welt und Mutti, dem ein Trauerzug von ausgebüxten Klavierstunden, uangesprochenen Disco-Granaten, ungeorderten Aktienkäufen und nicht betretenden Motorradshops folgt. Wie auch immer, diese ständig steigende Lebenserwartung muss ein Ende haben. Die Faszination des langen Lebens muss weiterlesen …;

Er isst nicht wie Du – und trinkt auch anders

Wort der Woche

Dass auch Frauen abartige Bedürfnisse haben könnten, das ist unvorstellbar, nicht wahr?

Camille Paglia

Ich muss ein neues Buch schreiben, aber da ich gerade irgendwie hänge, kann ein bisschen kritische Marianne-Rosenberg-Forschung nicht schaden, um mir die Grillen zu vertreiben.

Wer immer schon mal erfahren wollte, wie Frauen so ticken, ist mit dem Marianne-Rosenberg-Lied „Er ist nicht wie Du“ bestens bedient. Der Song ersetzt eine ganze Bibliothek neunmalschlauer Mann-und-Frau-nix-verstehen-Bücher, auch wenn er für meinen Geschmack etwas zu schonungslos desillusioniert. So genau will man es ja nun auch wieder nicht wissen, was im Gefühlskeller der Frauen so alles herumfault. Wer aber in Beziehungsfragen schon eine gewisse Grundhärte erreicht hat, wird es freilich als ein bleibendes Verdienst der Rosenberg ansehen, dass das mal in aller Deutlichkeit gekräht zu haben! Marianne Rosenberg verrät hier sozusagen in jugendlichem Übermut ihr eigenes Geschlecht. Worum geht es? „Er ist nicht wie Du“ ist eine als Liebeskummer verpackte Anti-Liebeskummer-Schocktherapie. Alle Liebesmüh ist vergebens. Die Kernaussage für das Werben um die Damengunst ist: Wenn Du es nicht bist, dann bist Du es nicht und kannst es auch nicht werden, auch wenn Du Dich schönfönst und wundflirtest. Und wenn Du es bist, dann bist es, auch wenn Du ein „Bier formte diesen Körper“-T-Shirt trägst.

Schauen wir uns mal den inkriminierten Text an: weiterlesen …;

Alter Mann ist kein D-Zug

Wort der Woche

Ich habe in meinem Leben nichts geleistet.

Paavo Nurmi, 9-facher Olympiasieger, 24-facher Weltrekordler

Mein Zug fährt gleich, aber der Opa vor mir hat immer noch nicht verstanden. Deshalb erklärt es die liebe Schaltertante von der Deutschen Bahn noch einmal. Es ist übrigens das fünfte Mal. Es ist übrigens umsonst. Was die liebe Schaltertante nicht weiss: Um die Verbindungstarifzonenwechselmagie zwischen Westsachsen und Nordthüringen zu verstehen, darf man nicht älter als 55 Jahre sein. Danach sind die Netzplan-Synapsen erodiert und man hört nur noch weisses Rauschen. Ähnlich wie das Hören hoher oder auch nur leiser Töne mit dem Alter abnimmt, sinkt auch die wichtige Fähigkeit, den gottverdammten Betrieb nicht weiteraufzuhalten, damit auch andere Menschen noch ihr Leben in der zur Verfügung stehenden Zeit absolvieren können.

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Aus der Ferne grüßen Dich Konzerne

Wort der Woche

Erkläre nie mit Verschwörung, was sich auch mit Inkompetenz erklären läßt.

Napoleon

Ich kann das auf den Tod nicht leiden, wenn mir Unternehmen zum Geburtstag gratulieren. Ich finde es abartig, wenn milliardenschwere Unternehmen mit volle Pulle Profitorientierung so tun, als wären sie meine duften Kumpels. Man darf ja nicht vergessen: Die gehen da ja nicht seit Wochen auf und ab und sagen sich immer wieder: Mann, der Schwarz hat bald Geburtstag, wir dürfen auf keinen Fall vergessen, dem zu gratulieren, denk du doch auch mal mit dran, der Schwarz ist da empfindlich. Nee, das macht ja irgendein doofer Computer, der wahrscheinlich weiterlesen …;

Schwarzbücher

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