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Ein Blog von Stefan Schwarz

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Ohne Abschluss zum Abschuss

Wort der Woche

Ich bin entführt worden.

Harald Glööckler

Die Bundeswehrreform schreitet voran. Zwei Reformschritte möchte ich heute besprechen. Da ist zum einen die Einführung eines offiziellen Bundeswehr-Lippenbalsams zu nennen, mit dem das wichtige Problem spröder, rissiger Lippen in den ariden Kampfgebieten des Hindukusch entschlossen angegangen und endlich dafür gesorgt wurde, dass deutsche Soldaten im Auslandseinsatz in Bälde wenn schon nicht die schlagkräftigste so doch die gepflegteste Truppe aller Internationalen Friedensmissionen abgeben dürften, gemäss dem Slogan „Haut glätten – Leben retten“. Das kann allerdings nur der Anfang sein: Die ganze Bundeswehrkosmetik muss auf den Prüfstand. Nur ein Beispiel: Tarnschminken sollten eben nicht nur tarnen und Hautunreinheiten abdecken, sondern gleichzeitig auch pflegen. Dies könnte dazu führen, dass unter Beschuss geratene Spezialkräfte angstfreier reagieren. Todesangst reicht schon, es muss nicht noch die Angst vor vorzeitiger Hautalterung dazu kommen!

Der zweite Reformschritt, der hier begutachtet werden soll, ist die „Trotteloffensive“, also das Vorhaben, stärker Geringqualifizierte für den Dienst in der Bundeswehr zu werben. (Ich gebe an dieser Stelle nicht der Versuchung nach, dies mit dem geringer als angenommen qualifizierten Guttenberg in einen Zusammenhang zu bringen.)

Diese „Trotteloffensive“ ist heute, also nach dem Ende der großen Landheere und der Strategie des bloßen Abnutzungskrieges zwischen volkreichen Industriemächten ein Schritt in die völlig falsche Richtung. Überschussbevölkerung gegen irgendwelche Maschinengewehrnester anrennen zu lassen, war ein Konzept demografisch anders aufgestellter Nationen.

Die Bundeswehrplaner sollten füglich die Darlegungen des britischen Militärschriftstellers J.R.R. Tolkien berücksichtigen, der sich ausführlich mit dem Kampfwert von Geringqualifizierten beschäftigt hat. Tolkien führt das Beispiel der Schlacht bei Helms Klamm an, wo die erkleckliche Zahl von 10 000 Geringqualifizierten unter dem Kommando eines gewissen Saruman lächerlichen 1000 Verteidigern der Hornburg gegenüberstanden, was ja dann doch deutlich über dem Normwert von 3 : 1 für das Überwinden einer verteidigten Stellung liegt und eigentlich bedeuten würde, dass die Angreifer auch mit Poolnudeln oder geblasenen Luftschlangen zum Erfolg kommen müssten. Stattdessen vernachlässigten die Geringqualifizierten auf Grund ihrer geringen Qualifikation die notwendige Abriegelung des Gefechtsfeldes und wurden von zum Entsatz ausgesandter Kavallerie der Rohan niedergeritten.

Dieses Beispiel sollte den Bundeswehrreformern als Warnung dienen, die – freilich nur unterstellte – geringere Attraktivität des Soldatenberufs mit der Werbung Geringqualifizierter zu beantworten. Die Problemlagen der soldatischen Einsatzs im 21. Jahrhundert verlangen tatsächlich eher an Milton H. Ericksons Hypnotherapie geschulte, promovierte Kulturanthropologen mit der Kenntnis diverser Farsi-Dialekte statt Dumpfbacken, die gereizten Moslembrüdern im Ramadan mit der linken Hand winken oder nicht mal den Anstand besitzen, „Ooops“ zu sagen, wenn sie ihrem Kameraden beim Wachwechsel in den Mittelfuß ballern.

Man mag einwenden, dass Geringqualifizierte dankbar für Fremdbestimmung, insgesamt führiger sind und Befehle prompt ausführen. Die Frage ist nur: Gibt es diese Befehle noch? Denn Geringqualifizierte haben naturgemäß einen geringen Wortschatz, der es ihnen unmöglich macht, moderne, komplexe Aufgabenstellungen wie den ISAF-Auftrag „Unterstützen Sie die vorläufigen Staatsorgane Afghanistans und ihre Nachfolge-Institutionen bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit und gewähren Sie Sicherheitsunterstützung bei der Wahrnehmung anderer Aufgaben im Rahmen der „Bonner Vereinbarung“ zu verstehen oder in Teilen zu wiederholen, selbst wenn diese Aufgabenstellung gebrüllt wird und sie dabei Liegestütz-Hockstrecksprung-Kombinationen machen müssen. Geringqualifizierte fragen sich beim Auftauchen von humanoiden Zielen oder anderen beschießbaren Gesichtsfeldveränderungen niemals, ob es sich da vorn um einen Vertreter der vorläufigen Staatsorgane Afghanistans und / oder seiner Nachfolge-Institutionen handelt, sondern nur, ob man das da vorne „totmachen“ muss oder erst mal nicht. Hinzu kommt: Geringqualifizierte fühlen sich von Dörfern voller Frauen und Kinder oft „provoziert“ und wissen hinterher grundsätzlich nicht, wer angefangen hat.

Die Bundeswehrreformer müssen sich fragen, ob sie das wollen, oder ob sie der Merkel-Regierung nur beim Ausfegen des Arbeitsmarktes helfen sollen.

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