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Ein Blog von Stefan Schwarz

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Selbstmordattentäter – spreng dich ein bisschen später …

Wort der Woche

Die Menschen sind nicht so interessant, wie sie immer denken.

Michael Krüger

Das Nervige an terroristischen Anschlägen (ich verweise aus gegebenem Anlaß auf meine Zäpfchenbomberkritik weiter unten) ist die Actionlastigkeit. Grundsätzlich sind Sprengungen oder das Herumballern mit Projektilwaffen, sogar im Reichstag (in dem nun wahrlich schon genug herum geballert wurde) belästigend pubertär. Bei der Anschlagsplanung stehen nicht irgendwelche Zweck/Mittel-Relationen im Vordergrund, sondern die Hauptsache ist, es spritzt ordentlich. Das Anliegen, wenn es denn überhaupt über die Hoffnung auf einen „geilen Abgang“ hinausgeht, ist Erschütterung auszulösen, womöglich sogar Schrecken zu verbreiten.Dafür ist Deutschland nun aber ein denkbar ungeeigneter Ort.

Unter Traumaforschern gilt Deutschland als das Land mit der größten Normalisierungskompetenz. Anders als in den USA, wo man wegen Post Traumatic Stess Disorder krank geschrieben wird, wenn man jemand kennt, dessen Mutter einen Kollegen beim Einsturz des WTC verlor, hat Deutschland im 20. Jahrhundert zwei verlorene Weltkriege quasi schon am nächsten Tag innerlich abgehakt. Das hat nichts mit Gefühllosigkeit zu tun. Das Zeitempfinden der Deutschen ist sehr stark am Progress orientiert und beschreibt emotional herausfordernde Singularitäten wie Grubenunglücke oder Flugzeugabstürze gern als Vorkommnisse (kann halt mal vorkommen). Überhaupt ist die deutsche Sprache voller Redewendungen wie „Das Leben geht weiter“ oder „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, die keinem anderen Zweck dienen, als selbst ernannte Zeitenwenden einzubügeln.

Insofern dient die verstärkte Präsenz von Polizei und all die Zivilschutzübungen, wie jüngst auf dem Frankfurter Flughafen, das Einziehen der Sanitätszüge in die Bereitstellungsräume (von mir selbst gerade beobachtet) weniger der Anschlagsverhinderung als vielmehr der sofortigen Wieder-Normalisierung, falls ein solcher geschieht. Man muss dies den Konspiratoren und Attentatterichen aller Couleur noch einmal nachdrücklich eintränken: Deutschland lohnt nicht. Deutschland ist eines der am schwersten zu traumatisierenden Länder der Welt. Deutschland zuckt nicht zusammen, Deutschland zuckt höchstens mit den Schultern. Hitlers Kriegsmanager Albert Speer schätzte nach dem Krieg gegenüber seinen Vernehmern ein, dass selbst die unaufhörlichen Bombardements der Alliierten, die Kriegsproduktion bis kurz vor Ende nur unwesentlich beeinträchtigten. Und wir sprechen hier nicht von ein, zwei Koffern hinterm Bonbonautomaten auf Gleis 12, sondern von Gigatonnen TNT und dem Umpflügen ganzer deutscher Stadtlandschaften über Jahre.

Deshalb mein Rat: Liebe Anschlagsplaner! Packen Sie ihre Koffer wieder aus. Sprengen sie sich in einem abgelegenen Weiher ein paar Hechte an die Oberfläche und machen sie lecker Hechtklößchen! Hier das Rezept. Sie werden es nicht bereuen. Vergeuden Sie nicht die Mühen und Ressourcen ihrer Glaubensbrüder. Es ist sinnlos. Auf jeden Selbstmordattentäter kommen in Deutschland hundert Putzkolonnen. Und zwar mit Migrationshintergrund.

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