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Ein Blog von Stefan Schwarz

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Krieg den Schuhen – Frieden den Zehen

Wort der Woche

Der Platz ist in der Krise.

Alexandre Chemetoff

Auch nach den letzten Gewaltakten im ÖPV gibt es immer noch widersprüchliche Verhaltensempfehlungen. Einerseits wird der S-Bahn-Fahrer dazu aufgefordert, Zivilcourage zu zeigen, andererseits rät die Polizei dringend, nicht den Helden zu spielen. Wie das im Einzelnen aussehen soll, weiß niemand. Soll man rauchverbotsmissachtende Jungtrinker im Waggon nicht mehr ansprechen, sondern nur heimlich einen Zettel rumgehen lassen, auf dem die Tat missbilligt wird? Soll man die Abteilraucher um Feuer bitten, um damit seine Friedenskerze anzuzünden? Soll man nur aufstehen gegen Gewalt, aber sich dann gleich wieder hinsetzen?

Verwirrung allerorten. Nicht nur, dass das anstehende Alkoholverbot in Zügen die Anlässe für Zivilcourage um den Faktor 10 vermehren wird, die Polizei in Nordrhein-Westfalen will jetzt jugendlichen Gewalttätern auch noch die Führerscheine abnehmen, damit sie Hass und Gewalt aus ihren tiefer gelegter Bummerkisten in die Straßenbahnen und Vorortzüge tragen (natürlich ist das nicht Absicht dieses Vorhabens, aber die Welt der Wirkungen und die Welt der Absichten sind zweierlei)

Gibt es aber nicht doch etwas, was man effektiv gegen Tottreter in der S-Bahn tun kann? Ja, es ist das Schuhverbot. Das Tottreten (über welches mittlerweile kriminalistisch klug promoviert wurde) setzt den Schuh voraus. Ohne Schuhe sind die Impactverhältnisse von Treter und Getretenem wenn schon nicht ganz ausgeglichen, so doch im Bereich empfindlicher Rückwirkung und damit Vergeltung angesiedelt, was jeder, der schon mal nächtens mit nackten Zehen gegen einen Bettpfosten gelatscht ist, ungerne bestätigen wird. Gegen gewaltaffine Jugendliche im Rahmen der Verbrechensvorsorge ein mehrmonatiges Schuhverbot auszusprechen, kann also bestimmte Deliktarten verunmöglichen, weil dann der erste Tritt schon der letzte ist und jaulende und auf einem Bein hüpfenden Schlägertypen nicht mehr derselben Gefahrenklasse angehören wie DocMartens-Träger. In der kälteren Jahreszeit hat das Schuhverbot überdies noch die Wirkung eines nicht extra angeordneten, aber trotzdem wirksamen Hausarrestes. Unnötig zu sagen, dass das Barfusslaufen auf Grund seiner positiven Wirkungen auf den Stützapparat nicht als Strafe angesehen werden sollte, sondern als erweiterte Form der Rückenschule.

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